Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Das Krankheitsbild der dissozialen Persönlichkeitsstörung (APS) auch antisoziale Persönlichkeitsstörung (früher Psychopathie oder Soziopathie) genannt,
zeichnet sich durch das anhaltende missachten sozialer Normen aus. Betroffene sind auffallend unbeteiligt gegenüber den Gefühlen anderer. Sie sind nur vermindert fähig sich emotional in andere Menschen hineinzuversetzen. Deshalb sind sie kaum in der Lage, emotionale Bindungen zu anderen aufzubauen. Ihr eigenes Gefühlsspektrum (besonders das für negative Gefühle) kann sehr beschränkt sein, weshalb sie Gesten von anderen Personen imitieren. Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung nehmen die Gefühle der anderen gut wahr und können sie manipulierend ausnutzen. Sie können selber außergewöhnlich charmant sein. Den Betroffenen fällt es schwer, Schuldgefühle oder auch Verantwortungsgefühl gegenüber anderen Menschen zu entwickeln. Rücksicht nehmen oder sich von Personen abgrenzen fällt ihnen sehr schwer. Bei guter intellektueller Begabung können sie unter Umständen recht geistreich, witzig und unterhaltsam sein. Ständig sind sie auf der Suche nach der neuen Herausforderung, dem Adrenalin-Kick. Ihr Motto heißt: „No risk – no fun“.
Ihre hohe Risikobereitschaft könnte ein Versuch sein, die innere Leere auszufüllen.

Oft fällt es Betroffenen schwer, ihre Impulse zu kontrollieren, deshalb ist ihre Frustrationstoleranz sehr niedrig. Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung fehlt das Verantwortungsgefühl. Sie sind dauernd gereizt und die Schwelle für aggressives Verhalten ist sehr niedrig. Oft findet ein Drogen- und Alkoholmissbrauch statt und nicht selten werden sie kriminell. Charakteristisch für diese Persönlichkeitsstörung ist die herabgesetzte Fähigkeit, aus sozialen Erfahrungen (etwa negativen Reaktionen auf ihr eigenes Verhalten) zu lernen. Laut DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders = Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen)  sind drei Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen betroffen.

Dissoziale Störungen lassen sich weiter in drei Subtypen einteilen:

  • Impulsiv-feindseliges Verhalten (geringe Handlungskontrolle die fast nur durch Impulsivität beeinflusst wird)
  • Instrumentell-dissoziales Verhalten (übersteigertes Selbstvertrauen und Machtgefühl, Ausrichtung vor allem auf Geld und materielle Werte)
  • Ängstlich-aggressives Verhalten (oft deprimierte, schüchterne und ängstliche Personen, die in Extremsituationen Gewaltausbrüche produzieren)

Meistens zeichnet sich die dissoziale Persönlichkeitsstörung des Sozialverhaltens bereits schon im Kindes- und Jugendalter durch Missachtung von Regeln und Normen (z. B. häufiges Lügen, Stehlen, Fortlaufen von zu Hause, Schuleschwänzen, Vandalismus, Gewalt gegen Personen und Gegenstände) ab. Es setzt sich dann im Erwachsenenalter fort. Nur zeitweiliges Arbeiten, Gesetzesübertretungen, Rücksichtslosigkeit, Gereiztheit und körperlich aggressives Verhalten, Nichtbezahlen von Schulden bis hin zum Gefängnis können dabei sein.

Ursachen der dissozialen Persönlichkeitsstörung (APS)
Fehlende mütterliche Zuwendung und familiäre Konflikte stehen hier im Vordergrund.
In vielen Fällen erfuhren antisoziale Persönlichkeiten einen Mangel an Liebe und Fürsorge, der zu fehlender Orientierung seitens des Kindes führte. Eine Neigung der Mütter zur Impulsivität, Gewalt als zentrales Erziehungsmittel und ein uneindeutiger Erziehungsstil der Eltern, tragen zu dem Krankheitsbild bei. Oft ist das Elternhaus zerrüttet und sie wuchsen in einer Großfamilie auf engem Raum auf. Nicht selten wurden Betroffene in ihrer Kindheit sexuell missbraucht und/oder körperlich misshandelt.

Behandlung bei dissozialer Persönlichkeitsstörung (APS)
Die Erkrankten müssen durch eine Therapie lernen, die Auslöser für ihr aggressives oder impulsives Verhalten zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Es wird ein angemessener Umgang mit Ärger, Misserfolg, Kritik und Wut erlernt und wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann. Zusätzlich kann die Therapie zeitlich begrenzt mit Medikamenten unterstützt werden. Eine Heilung bei dissozialer Persönlichkeitsstörung gibt es nicht.